Tipps und Tricks

Tipps & Tricks zur Organisation und Umsetzung von Demos

Programmpunkte, die das Programm ein bisschen auflockern


Demos bestehen häufig aus Reden, manchmal auch aus Musik. Eine gute Abwechslung können zum Beispiel Poetry Slams sein, Drag-Performances natürlich, oder vielleicht eine Kurzgeschichte? Ihr könntet auch queere Angebote vorstellen (bzw. einladen), die halbwegs bei euch in der Nähe sind,
Das sind alles nur Ideen, damit das Programm etwas bunter ist, manchen Menschen gefallen aber auch einfach Reden.

Viele Drag Performer*innen, queere Musiker*innen und queere Individuen generell unterstützen gerne kleinen CSDs – ihr müsst nur frühzeitig und freundlich ein paar Anfragen.

Musik-Acts


Für die Technik ist der Aufwand für einen Musik-Act höher, je mehr Menschen (Bandmitglieder) dabei sind und hängt auch von der Art der Instrumente ab. Ein Schlagzeug macht zum Beispiel mehr Arbeit als eine E-Gitarre (oder nur eine Stimme). Sprecht euch also immer gut mit der Technik ab, oder seid euch sicher, dass ihr euch die Veranstaltungstechnik(er*innen) leisten könnt.

Manche Musiker*innen treten außerdem lieber oder nur auf, wenn sie eine Gage oder Aufwandsentschädigung bekommen. Auch darüber lohnt es sich nachzudenken, bevor Acts angefragt werden. Wenn ihr Künstler*innen von weiter weg anfragt, überlegt euch, ob ihr ggf. Anreise und/oder Hotel zahlen könnt.

Demo-Problemlösungs-Kit


Wenn ihr immer folgendes dabei habt: Gaffatape, Kabelbinder, Spanngurte (wenn jemand damit umgehen kann), Glitzer, Kekse – und Kreativität mitbringt, lassen sich viele Probleme lösen…

GEMA


Müssen wir GEMA anmelden, wenn wir auf einer Demo Musik abspielen? -> Kontaktiert uns direkt.

Bausteine für Moderations-Inhalte


Die Moderation leitet das Publikum durchs Programm und stellt Redner*innen und Acts kurz vor. Ihr könnt als Moderation zum Beispiel:

  • Zu Beginn kurz den Ablauf den CSDs schildern.
  • Auf Awarenessteam, Spendensammler*innen, etc. aufmerksam machen.
  • Den Teilnehmer*innen sagen, wo sie öffentliche Toiletten finden.
  • Eine Überleitung zum nächsten Thema schaffen. Z.B.: „Wir haben alle in letzter Zeit gemerkt dass […], deswegen aktuelles und sehr wichtiges Thema. Aber nicht nur […] sondern auch […] sind von […] betroffen.“ -> Überleitung nächste*r Redner*in.
  • Bevor ihr jemand neues auf die Bühne bittet, kurz die Organisation vorstellen, aus der die Person kommt, warum ihr sie eingeladen habt oder euch besonders freut, dass sie Teil eures Programms ist.
  • Den Redner*innen, Musiker*innen etc. danken, nachdem sie Bühne verlassen haben und nochmal ein, zwei Sätze zu ihrem Beitrag sagen. Was euch besonders gefallen oder berührt hat o.ä..
  • Wenn die Stimmung gut ist: Demosprüche rufen (und die Teilnehmer*innen zum mitmachen bewegen). Tipp: Rhythmus der Sprüche vorher üben.
  • Eine kurze Anekdote erzählen, die zum Thema passt.
  • Auf aktuelle (politische / thematische) Ereignisse Bezug nehmen.
  • Die Teilnehmer*innen verabschieden, und ihnen danken.
Mobilisierung: Plakatständer


Fragt lokale progressive Parteien, ob sie Wahlplakatständer haben, und ob ihr sie leihen könnt. Wenn die Partei euren CSD unterstützt, könntet ihr gute Chancen haben. Dann klebt eure Plakate (A2, besser noch A1) darauf und stellt sie an prominenten Stellen auf. Das ist super Werbung.
Voraussetzung dafür ist: Ihr habt die Kapazitäten sie zu bekleben, aufzustellen und auch wieder abzubauen. Idealerweise sind eure Plakate einigermaßen wetterfest (das könnt ihr vermutlich auf der Website der Druckerei herausfinden), vielleicht stellt ihr das aber auch erst hinterher fest.
Informiert euch vorher, ob ihr auf diese Art Werbung einen Antrag stellen müsst. Auch dafür sind Parteien gute Informationsquellen, oder andere lokal engagierte Menschen.

Rechnet außerdem damit, dass ein paar der Plakatständer zerstört werden könnten. Ihr könnt beim Vorbeigehen darauf achten (ggf. Spaziergänge in die richtige Richtung machen) und kaputte ersetzen. Lasst euch davon nicht entmutigen, das heißt auch nur, dass eure Plakate bemerkt werden!

Kostenverwaltung


Verschiebt es nicht auf später, euch mit Kostenverwaltung zu beschäftigen. Benennt klare Verantwortlichkeiten, wer sich darum kümmert, erstellt eine Übersicht mit kommenden Kostenpunkten und Ausgaben, die schon passiert sind. Hebt alle Belege auf, lasst euch auch für kleine Einkäufe eine Quittung geben.

Überlegt euch vorher, abhängig davon, wie ihr euch finanziert, ob ihr für alles eine Rechnung braucht, oder nicht. Was ist eure Rechnungsadresse? Bei welchen Kostenpunkten kann eventuell keine Rechnung geschrieben werden? Über welches Konto werden die Ausgaben getätigt und Spenden eingezahlt? Was macht ihr mit gegebenenfalls übrigen Spenden?
Manche dieser Fragen können auch erst im Nachhinein beantwortet werden. Es lohnt sich aber, die dringenden möglichst früh zu klären.

Hitze


Wenn mit Hitze zu rechnen ist, sollte es auf eurem Versammlungsplatz definitiv Schattenplätze geben. Wie der Schatten fallen wird, könnt ihr hier oder hier nachsehen.

Nehmt außerdem genug Wasser(!!), Sonnencreme und Zucker mit, damit ihr auch euren Teilnehmer*innen etwas abgeben könnt. Idealerweise habt ihr auch ein Awarenessteam, dass diese Dinge mit sich tragen kann und für alle, denen es nicht gut geht, ansprechbar ist.

Regen ( und Wind und Wetter)


Behaltet den Wetterbericht im Auge und bereitet euch entsprechend vor. Braucht ihr zum Beispiel einen Pavillion, damit Musiker*innen nicht nass werden, ist euer Material wasserfest oder muss es geschützt werden? Für Veranstaltungstechnik kann Regen und starker Wind zum Problem werden, aber eure Technikcrew hat damit wahrscheinlich schon Erfahrung.

Wenn es eine amtliche Unwetterwarnung gibt, solltet ihr darüber nachdenken den CSD abzusagen.

Abgesehen davon kann auch ein verregneter CSD super schön werden!

Awareness-Material


Plant ein Awarenessteam, das für eure Teilnehmer*innen erkennbar und ansprechbar ist, wenn es ihnen nicht gut geht. Dazu sollten Awareness-Menschen wissen, wo sich Rückzugsräume und Toiletten befinden und auch ein paar Bedarfsartikel dabei haben: Wasser, Zucker, Sonnencreme, Periodenprodukte, Ohrstöpsel, Fidget Toys etc. Achtet außerdem darauf, dass Redner*innen Triggerwarnungen aussprechen, bevor sie sensible Themen ansprechen.

Awareness bedeutet auch einen diskriminierungssensiblen Raum zu schaffen und ist insgesamt ein sehr umfangreiches Thema. Einen ausführlicheren Leitfaden findet ihr z.B. hier.

Interviews


Den ersten CSD eines Ortes wird die lokale Presse bestimmt aufgreifen. Am besten schreibt oder ruft ihr lokale Zeitungen oder den Lokalteil überregionaler Zeitungen proaktiv an. Ihr müsst gar nicht viel sagen, außer, dass ihr den ersten CSD organisiert, wann und wo er ist, ggf. ein bisschen Rahmeninfos wie ein Motto, und dass ihr unter folgender Nummer für Rückfragen zur Verfügung steht.

Wenn ihr dann in eine kleines Interview eingeladen werdet, müsst ihr euch vermutlich nicht auf schwierige Fragen einstellen. Es kann sich trotzdem lohnen, sich vorher zu überlegen, welchen Kerngedanken ihr rüberbringen wollt. Ihr könnt am Anfang fragen, in welchem Format der Artikel verfasst wird (Reportage? Direktes Interview?).

Überlegt davor, welche Presse-Regeln ihr als Gruppe habt. Wer darf für die Gruppe sprechen? Alle? Nur bestimmte Pressesprecher*innen?

Tipp: Fangt inhaltlich bei den basic Basics an. Z.B., was queer bedeutet, wofür LGBT steht, dass queer sein, aus ganz vielen Gründen schwierig sein kann und dass auf einen CSD alle kommen dürfen – auch nicht-queere Menschen.
Habt immer im Kopf, dass Zeitungen ganz andere Menschen lesen, als eure „Kernzielgruppe“. Denen müsst ihr vieles sehr anders erklären, damit sie sich in euch hineinversetzen können. Wenn ihr die erreichen wollt, sind Zeitungen ein super Mittel, das müsst ihr aber natürlich nicht wollen.

Hier ist ein Beispiel für ein ziemlich gelungenes Interview: Erster CSD in Wolfratshausen

Pressemitteilungen


Wenn ihr eine Pressemitteilung schreiben möchtet: Verschickt werden sie am besten am Anfang der Woche, besser zu früh als zu spät am Tag. Wenn ihr die Kapazitäten habt, ruft die Journalist*innen eine Weile später kurz an.
Eure PM sollte kurz sein und so formuliert, dass Teile davon direkt in einen Artikel kopiert werden können – sie muss aber natürlich nicht komplett „neutral“ formuliert sein.

Gern gesehen sind auch direkte Zitate (mit Nennung eines Namens). Das kann z.B. folgende Form annehmen: „Vorname Name, Organisator*in des CSD [Ort], bekräftigt: ‚Es ist wichtig, dass es auch in [Ort] einen CSD gibt – queer sein ist sowieso schon hart, ohne einen Tag, an dem wir uns feiern und kennenlernen können, ‚.“

Puppy & Furry Masks vs. Vermummungsverbot


Eigentlich ist es auf Demonstrationen verboten, das Gesicht so zu verdenken, dass die Person nicht mehr zu erkennen ist, das sogenannte „Vermummungsverbot“. Nach den Versammlungsgesetzen aller Länder bzw. des Bundes sind Masken aber nur verboten, wenn sie dazu bestimmt sind, eine Identitätsfeststellung zu verhindern. Puppy und Furry Masken sind in der Theorie also erlaubt, solange sie nur getragen werden, weil sie inhaltlich auf einem CSD passen.

Wir haben hier nur einen best-practice Tipp für euch: Ihr solltet Menschen mit Maske darauf vorbereiten, dass sie sich evtl. der Polizei gegenüber ausweisen müssen. Eure Versammlungsleitung kann das entweder proaktiv der Einsatzleitung gegenüber ansprechen, oder darauf warten, ob sie es von selbst tut… Häufig gibt sich die Polizei jedenfalls damit zufrieden, wenn maskierte Menschen sich ausweisen. Solche Sachen sind aber immer von der Polizei vor Ort abhängig.
Die Aufgabe eurer Versammlungsleitung ist es hier, zwischen Teilnehmer*innen und Polizei zu vermitteln.

Ordner*innen-Armbinden selber herstellen


Weißen Stoff zerreißen oder zerschneiden, Maße ganz grob 10cm x 50cm. Mit schwarzem Edding „Ordner*in“ draufschreiben. Fertig. Bonuspunkte, wenn der Stift wasserfest ist.

Im bayerischen Versammlungsgesetzt steht, dass es weiße Binden sein müssen auf denen „Ordner“ oder „Ordnerin“ steht. Über „Ordner*in“ hat sich aber noch nie jemand beschwert.

Inklusive Demo


Euer CSD und euer Orgateam sollten möglichst inklusiv sein. Das ist ein sehr großes Thema, zu dem es viel zu sagen gibt. Hier sind ein paar erste Ansatzpunkte dazu:

  • Bei Reden könnt ihr auf simple Sprache achten und sie in Textform bereitstellen (ggf. auch auf Englisch). Idealerweise engagiert ihr Gebärdendolmetscher*innen, das ist aber sehr teuer.
  • Wenn ihr eine Bühne oder eine größere Menge habt, könnt ihr einen Bereich abgrenzen, der nur für Menschen ist, die sich unwohl in der Menge fühlen, im Rollstuhl sitzen und so eine bessere Sicht auf die Bühne haben, und generell alle, die ihn brauchen. Achtet darauf:
    • dass der Bereich für alle gut zugänglich ist
    • dass er sinnvoll platziert ist. Direkt vor den Lautsprechern ist es sehr laut, weiter hinten ist die Sicht schlecht
    • Dass er von anderen, die ihn nicht brauchen, freigehalten wird
    • dass alle, die ihn brauchen, wissen, dass es ihn gibt!
  • Achtet bei der Demoroute und Aufstellungsplatz auf Bordsteine, Pflasterung und Rollstuhlzugänglichkeit.
  • Organisiert Rampen falls nötig (evtl. auch für die Bühne).
  • Orte, an denen die Orga-Treffen stattfinden, sollten ebenfalls für Menschem im Rollstuhl zugänglich sein.
  • Schaut nach ob bzw. wo es in der Nähe barrierearme Toiletten gibt
Andere CSD-Orga Ratgeber


Es gibt noch einige andere Ratgeber zu CSD-/Demo-Organisation. Zum Beispiel csd.nrw hat einige ausführliche How-Tos.

Wenn ihr keine Lust darauf habt, euch alles durchzulesen, macht einfach!

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